Heute können am Lette-Verein staatlich anerkannte Abschlüsse in der Hauswirtschaftsassistenz und der hauswirtschaftlichen Betriebsleitung erworben werden. Interessante und komplexe Berufsfelder stehen den Absolventen und Absolventinnen mit diesen Abschlüssen offen. Gefragt sind sie in der Praxis auch wegen dem Vertrauen, welches der Lette-Verein durch seine lange Tradition und 125 Jahre Erfahrung in hauswirtschaftlichen Ausbildungen genießt. Heute werden Männer und Frauen ausgebildet, obwohl alles mit den Frauen begann.

Anna Schepeler-Lette, die Tochter des Gründers W.A. Lette, und Ulrike Henschke, Gattin des Senatspräsidenten Henschke, erkannten bereits 1878 die Wichtigkeit von Fortbildung für junge Frauen der unteren Stände, die in Dienstverhältnissen arbeiteten. Sie gründeten eine Wasch- und Plättanstalt, die als Unternehmen eine Finanzierungsgrundlage des Lette-Vereins war und gleichzeitig junge Mädchen fortbildete.

1886 eröffneten Haushaltungsschule und Mädchenheim und ging die Kochschule unter Leitung von Elise Hannemann in den Lette-Verein über. Diese bildeten den Grundstock der heutigen Hauswirtschaftlichen Berufsfachschule. Elise Hannemann war eine eloquente Kochlehrerin, die nicht nur Kurse für Lette-Schülerinnen hielt, sondern auch für Ärzte, Soldaten und sonstige Öffentlichkeit. Sie arbeitete mit Männern der Charite zusammen und entwickelte Krankendiäten. Sie verfasste etliche Bücher, von denen das Kochbuch 110 Auflagen erreichte. Wegen seiner „hohen Popularität“ gelangte kein einziges Exemplar in den Bestand der Zentral- und Landesbibliothek. Gesammelt wurde nur "Bedeutendes". Unser Archiv besitzt jedoch einige Exemplare und
hat so ein kleines Stück Populärkultur der Stadt Berlin erhalten können.

Hannemann, Elise: Kochbuch. - Berlin: Brandus, 1917

1909 nahm die wirtschaftliche Frauenschule ihre Arbeit auf. Kinderpflege und Kinderernährung sowie Diätassistenz kamen als Ausbildungsinhalte dazu. 1910 bis 1976 unterhielt der Lette-Verein sogar einen Kindergarten.

1926 konnte eine Höhere Fachschule für Frauenberufe eingerichtet werden, mit deren Abschlüssen ein Studium zur Gewerbelehrerin aufgenommen werden konnte. Das war damals ein weiterer wichtiger Schritt, den Frauen Bildung zu ermöglichen.

Nach dem 2. Weltkrieg führte die Malerin Hildegard Annemarie Fischer die Hauswirtschaftliche Schule durch eine schwere Zeit.

Immer wieder gab es neue Inhalte und Richtungen. Mit der Verbreitung des elektrischen Kochens kam der Bedarf an
Energieberaterinnen, seit 1968 gibt es in unterschiedlichsten Formen berufsvorbereitende Lehrgänge für junge Menschen, die den Schulabschluss noch nicht geschafft haben.

Seit dem Beginn der 1980er Jahre sind die Ausbildungsgänge dreijährig und offen für Jungen und Mädchen.
Seit den 1990er Jahren erscheint das im Lette-Verein entstandene Lehrbuch „Kochen und backen lernen – ernährungsbewusst und kreativ“ von Ulrike Arens-Azevêdo und Elisabeth Peschke in immer wieder neuen Auflagen und bildet, ähnlich wie Elise Hannemanns Buch im vorigen Jahrhundert, bis heute die Grundlage für die Ausbildung im hauswirtschaftlichen Bereich.